



1900 1901 1902
1903 1904 1905
1906 1907 1908
1909 1910 1911 1912 1913 1914 1915 1916 1917 1918
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Januar
- 12. 1.
In Deutsch-Südwestafrika beginnt der Aufstand der Herero. Die systematische
Einschränkung tradierter Lebensformen sowie politische und soziale Diskriminierungen
lösen schwere Ausschreitungen aus. Am ersten Tag kommen 123 deutsche
Siedler ums Leben.
16. 1.
Das neue Gebäude des preußischen Herrenhauses, der ersten Kammer
des Preußischen Landtages, wird in Berlin eingeweiht. Es grenzt rückseitig
an das 1899 übergebene neue Abgeordnetenhaus und bildet mit diesem ein
palastartiges Ensemble im Stile des 18. Jahrhunderts.
21. 1.
In Berlin gründen mehrere Großbanken unter Führung der
Deutschen Bank die Deutsche Petroleum Aktiengesellschaft (DPAG). Mit ihr soll
der Einstieg ins internationale Ölgeschäft erleichtert und ein Gegengewicht
zu dem marktbeherrschenden US-Konzern Standard Oil geschaffen werden.
23. 1.
Die norwegische Kleinstadt Alesund wird durch einen Brand fast vollständig
zerstört. 12.000 Menschen verlieren ihr Obdach. Kaiser Wilhelm II. engagiert
sich für den Wiederaufbau der Stadt.
25. 1.
Im Mittelpunkt des Allgemeinen Krankenkassenkongresses steht die Auseinandersetzung
der Kassen mit der Ärzteschaft stehen. Die Mediziner fordern Honorarerhöhungen
und die Einführung der freien Ärztewahl. Kurz zuvor hatten alle
233 Leipziger Kassenärzte ihre Verträge gekündigt und nur noch
Privatpatienten behandelt.
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Februar
- 8. 2.
Mit einem Angriff japanischer Torpedo-Boote auf die russische Flotte vor
Port Arthur und der gleichzeitigen Landung von Truppen an der Westküste
Koreas beginnt der Russisch-Japanische Krieg um die Vorherrschaft in der Mandschurei
und auf der koreanischen Halbinsel.
15. 2.
Der Bund der Landwirte (BdL) fordert in Berlin auf seiner Generalversammlung
einen besseren Schutz landwirtschaftlicher Produkte vor ausländischer
Konkurrenz.
16. 2.
Mit scharfer Kritik reagieren Repräsentanten aller im Reichstag vertretenen
Parteien auf die Auswahl der deutschen Kunstwerke für die Weltausstellung
in St. Louis, in der sich die Vorliebe des Kaisers für die traditionelle
Malerei im Stile Anton von Werners und seine brüske Ablehnung der "Berliner
Secessionisten" widerspiegelt.
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März
- 5. 3.
In Paris werden nach einem Beschluß des Kassationshofs die Untersuchungen
in der Dreyfus-Affäre wieder aufgenommen.
8. 3.
Der §2 des Jesuitengesetzes wird aufgehoben. Mitglieder der Gesellschaft
Jesu dürfen nun nicht mehr ausgewiesen werden.
23. 3.
Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmt die erste Buchausgabe der Tragödie
"Die Büchse der Pandora" von Frank Wedekind. Zuvor war bereits
das Drama "Der Reigen" von Arthur Schnitzler verboten worden. Seit
der Einführung der "Lex Heinze" im Mai 1900 wachen staatliche
Zensurbehörden über "Sittlichkeit und Moral" in der deutschen
Literatur.
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April
- 1. 4.
In Frankreich tritt ein Gesetz in Kraft, das die Arbeitszeit für
Frauen und Personen unter 18 Jahren auf maximal zehn Stunden pro Tag begrenzt.
8. 4.
Großbritannien und Frankreich schließen in London ein Abkommen
über die Beilegung ihrer Differenzen in Kolonialfragen und begründen
damit die "Entente cordiale".
12. 4.
In Berlin wird die "Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände"
(HDA) gegründet. Vorrangiges Ziel der Vereinigung, der zunächst
50 Verbände der Schwer- und Textilindustrie angehören, ist die Niederhaltung
des Einflusses der Gewerkschaften.
30. 4.
In St. Louis wird die 14. Weltausstellung eröffnet. Auf einer Fläche
von fast 500 Hektar präsentieren sich neben den einzelnen Bundesstaaten
der USA 35 Nationen. Hauptattraktionen sind die neuesten technischen Errungenschaften
auf den Gebieten des Automobilbaus, der Luftfahrt und der Telegraphie.
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Mai
- 1. 5.
In Düsseldorf wird die "Internationale Kunst- und Große
Gartenbauausstellung" eröffnet. Besondere Beachtung findet die eigens
für die Schau geschaffene Gartenanlage, die den Garten als Bestandteil
einer neuen Wohnkultur propagiert.
- Tod des tschechischen Komponisten
Antonín Dvorák (1841-1904) in Prag.
4. 5.
Gründung des Fußballvereins "Schalke 04".
6. 5.
Tod des Malers Franz von Lenbach (1836-1904) in München.
9. 5.
In Berlin wird der "Reichsverband gegen die Sozialdemokratie"
gegründet. Er will alle "in Treue zu Kaiser und Reich stehenden
Deutschen" vereinen. Zum Vorsitzenden wird der ehemalige Gouverneur von
Deutsch-Ostafrika, Eduard von Liebert (1850-1934), gewählt.
21. 5.
Sieben nationale Fußball-Verbände aus Europa gründen in
Paris den Weltverband Fédération Internationale de Footbal Association
(FIFA). England, das "Mutterland des Fußballs", beteiligt
sich nicht an der Initiative des Franzosen Robert Guérin, der
zum ersten Präsidenten des Weltverbandes gewählt wird. Der Deutsche
Fußball-Bund (DFB) beschließt am 29. Mai den Beitritt zur FIFA.
26. 5.
Tod des Erfinders und Industriellen Friedrich Siemens (1826-1904) in Dresden.
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Juni
- 12. 6.
In Berlin wird ein internationaler Frauenkongreß eröffnet,
an dem Vertreterinnen bürgerlicher Frauenverbände aus 25 Ländern
teilnehmen. Im Vorfeld des Kongresses hatte sich in der deutschen Reichshauptstadt
der "Weltbund für Frauenstimmrecht" konstituiert.
15. 6.
Beim Brand des Ausflugsdampfers "General Slocum" kommen auf
dem Hudson bei New York mehr als 1.000 Menschen ums Leben. Die Opfer sind
überwiegend Schüler einer deutschen Sonntagsschule in den USA und
deren Eltern.
16. 6.
Der russische Generalgouverneur von Finnland, Nikolai I. Bobrikow,
wird in Helsinki von einem jungen finnischen Beamten erschossen. Das Attentat
ist Ausdruck des Widerstandes der Finnen gegen die "Russifizierung".
23. 6.
Wegen Majestätsbeleidigung wird Rosa Luxemburg von der Strafkammer
des Landgerichts in Zwickau zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.
- Als Interessenvertretung der Leicht-
und Fertigwarenindustrie wird der Verein deutscher Arbeitgeberverbände
gegründet.
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Juli
- 1. 7. - 23. 11.
In St. Louis finden die III. Olympischen Spiele statt. Wie schon vier
Jahre zuvor in Paris sind sie lediglich ein kaum beachtetes Anhängsel
der Weltausstellung. Unter den 617 Teilnehmern sind 533 Amerikaner.
3. 7.
Tod des Schriftstellers Theodor Herzl in Edlach an der Ratz bei Gloggnitz.
14. 7.
Tod des südafrikanischen Politikers Paulus "Ohm" Krüger
(1825-1904) in der Schweiz.
17. 7.
Tod des russischen Schriftstellers Anton P. Tschechov (1860-1904) in Badenweiler.
28. 7.
Der russische Innenminister Wjatscheslaw K. Plehwe, der als Symbolfigur
der zaristischen Herrschaft gilt, wird in Petersburg bei einem Bombenanschlag
getötet. Der Attentäter kommt aus den Reihen der Partei der Sozialrevolutionäre.
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August
- 3. 8.
Eine britische Militärexpedition besetzt die tibetische Hauptstadt
Lhasa. Großbritannien unterwirft damit das unter chinesischer Oberhoheit
stehende Protektorat seiner Kontrolle.
6. 8.
Tod des Musikforschers Eduard Hanslick (1825-1904) in Baden bei Wien.
11. 8.
In der "Kesselschlacht" am Waterberg bei Windhuk werden die
aufständischen Herero von deutschen Kolonialtruppen vernichtend geschlagen.
Die Überlebenden werden in die Wüste gedrängt. Viele von ihnen
verdursten. Von den ehemals 80.000 Herero sind 1905 nur noch 12.000 am Leben.
30. 8.
In der zentralen Mandschurei beginnt die größte Schlacht des
Russisch-Japanischen Kriegs. 158.000 Russen stehen 125.000 Japanern gegenüber.
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September
- 3. 9.
Nach hohen Verlusten auf beiden Seiten treten die Russen in der zentralen
Mandschurei den Rückzug an.
19. 9.
Die blinde und taubstumme Helen Keller (1880-1968) promoviert zum Doktor
der Philosophie.
21. 9.
In Belgrad wird Peter I. Karadjordjevic (1888-1934) als neuer König
von Serbien gekrönt.
25. 9.
Mit der Schließung des südlichen Ringes um den Baikalsee ist
das letzte Teilstück der Transsibirischen Eisenbahn fertigstellt. Der
Bau der über 9.000 km langen Bahnlinie von Moskau nach Wladiwostok begann
1891. Durch den Krieg gegen Japan hat die Bahn für Rußland strategische
Bedeutung.
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Oktober
- 2. 10.
Der Oberbefehlshaber der deutschen Truppen in Deutsch-Südwestafrika
proklamiert die "gnadenlose Ausrottung" der aufständischen
Herero. Proteste im Deutschen Reich gegen die Erschießung von Unbewaffneten
und von Frauen und Kindern veranlassen auch Wilhelm II. zu einem Protest.
3. 10.
In Deutsch-Südwestafrika kommt es mit der Erhebung des Stammes der
Nama zu einem weiteren Aufstand gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Der
Guerillakrieg zieht sich über mehrere Jahre hin.
10. 10.
Mit der Gründung des "Vereins der Lehrlinge und jugendlichen
Arbeiter Berlins" beginnt die proletarische Jugendbewegung in Deutschland.
18. 10.
Auf der Berliner Museumsinsel wird das Kaiser-Friedrich-Museum eingeweiht.
Schwerpunkte der Sammlung sind die altdeutsche Malerei und die Kunst der Renaissance.
Die von Wilhelm Bode (1845-1929) arrangierte Präsentation sorgt für
Aufsehen, denn in den einzelnen Räumen werden verschiedenartige Ausstellungsstücke
einer Epoche gezeigt.
22. 10.
In Berlin erscheint die erste deutsche Boulevard-Zeitung. Die vom Ullstein-Verlag
herausgegebene "B.Z. am Mittag" entwickelt sich schnell zu einer
der auflagenstärksten Tageszeitungen der Reichshauptstadt.
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November
- 6. 11.
Auf Protestversammlungen in Norddeutschland wird die Einstellung des Kampfes
gegen die Aufständischen in Deutsch-Südwestafrika gefordert.
8. 11.
Bei den Präsidentschaftswahlen in den USA wird Theodore Roosevelt
mit dem bis dahin besten Ergebnis im Amt bestätigt.
13. 11.
In Warschau kommt es bei Protesten gegen die Rekrutierung von polnischen
Bürgern für die zaristische Armee zu einem Feuergefecht zwischen
Angehörigen der Polnischen Sozialistischen Partei (PPS) und dem russischen
Militär. An der Spitze der polnischen Sozialisten steht Józef
Klemens Pilsudski.
23. 11.
Die Chemiefirmen Friedrich Bayer & Co. und Badische Anilin- &
Sodafabrik AG (BASF) schließen einen Interessengemeinschaftsvertrag,
der eine Vorstufe für die I.G. Farbenindustrie AG darstellt.
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Dezember
- 6. 12.
In einer Botschaft an den Kongreß bekräftigt US-Präsident
Theodore Roosevelt die "Monroe-Doktrin" von 1823 und proklamiert
für die Vereinigten Staaten das Recht der Intervention in allen Ländern
Mittelamerikas.
27. 12.
Der österreichische Ministerpräsident Ernest von Koeber
tritt wegen des anhaltenden Nationalitätenkonflikts in Österreich-Ungarn
zurück. Sein Nachfolger wird Paul Freiherr Gautsch von Frankenthurn (1851-1918),
der zuvor Präsident des Obersten Gerichtshofes war.
- (Quelle:LeMO)