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1900 1901 1902
1903 1904 1905
1906 1907 1908
1909 1910 1911
1912 1913 1914
1915 1916 1917
1918
-
Januar
- 1. 1.
General Helmuth von Moltke wird der Nachfolger von Alfred von Schlieffen
als Generalstabschef des deutschen Heeres.
- Ausnahmeregelungen
des geltenden Kinderschutzgesetzes treten in Kraft. Vor allem für landwirtschaftliche
Saisonarbeiten dürfen Kinder über neun Jahre eingesetzt werden.
11. 1.
Die Rheinuferbahn zwischen Köln und Bonn nimmt den Personenverkehr
auf. Sie verkehrt halbstündlich und legt die Strecke zwischen den beiden
Städten in 44 Minuten zurück.
16. 1.
In der spanischen Hafenstadt Algeciras beginnt eine internationale Konferenz
zur Beilegung der Marokko-Krise.
17. 1.
In Frankreich wird Armand Fallières (1841-1931) zum neuen Staatspräsidenten
gewählt.
- In Hamburg streiken
rund 80.000 Arbeiter gegen die Einschränkung ihres Wahlrechts. Trotz
dieses ersten politischen Streiks in der Geschichte Deutschlands wird die
Wahlreform verabschiedet. Der Stimmenanteil niedrigverdienender Bürger
wird weiter reduziert.
24. 1.
In der Berliner Nationalgalerie wird die "Deutsche Jahrhundertausstellung"
eröffnet. Sie zeigt Werke deutscher Maler aus dem Zeitraum von 1775
bis 1875.
29. 1.
Tod des dänischen Königs Christian IX. (1818-1906) in Kopenhagen.
Neuer König wird sein 64jähriger Sohn Friedrich VIII. (1843-1912).
30. 1.
Die Unterhauswahlen in Großbritannien enden mit einem deutlichen
Erfolg der Liberalen. Premierminister Henry Campbell-Bannerman (1836-1908),
der bereits im Vorjahr den zurückgetretenen Arthur James Earl of Balfour
abgelöst hatte, wird in seinem Amt bestätigt.
-

Februar
- 10. 2.
Das größte Kriegsschiff der Welt, die "Dreadnought",
läuft im britischen Kriegshafen Portsmouth vom Stapel. Es gehört
zu einer neuen Generation von Großkampfschiffen. Die nächste
Etappe des deutsch-britischen Wettrüstens beginnt.
19. 2.
Österreichische Militär- und Polizeieinheiten lösen in
Budapest das ungarische Parlament auf. Damit erreicht der Konflikt zwischen
den ungarischen Nationalisten, die über die Mehrheit im Budapester
Parlament verfügen, und der Wiener Regierung einen dramatischen Höhepunkt.
-

März
- 5. 3.
In Berlin wird im Beisein von Kaiser Wilhelm II. das Königliche
Museum für Meereskunde eröffnet. Es ist weltweit das erste Museum
dieser Art und zeigt auch Ausrüstungsgegenstände der ersten deutschen
Antarktisexpedition von 1901 bis 1903.
10.3.
Bei einem Grubenunglück in den Schachtanlagen von Courrières
in Nordfrankreich kommen 1.140 Bergleute ums Leben. An den Hilfsmaßnahmen
beteiligt sich ein Rettungstrupp aus dem Ruhrgebiet.
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April
- 7. 4.
Die internationale Konferenz von Algeciras zur Beilegung der Marokko-Krise
endet mit einem Kompromiß. Die Souveränität des Sultanats
Marokko bleibt erhalten, die allgemeine Handelsfreiheit wird garantiert.
Zugleich wird den kolonialen Bestrebungen Frankreichs und Spaniens Rechnung
getragen.
18. 4.
Ein Erdbeben und ein anschließender Feuersturm verwüsten
die amerikanische Großstadt San Francisco. Fast 30.000 Gebäude
werden zerstört, 500 Menschen kommen ums Leben. Rund 250.000 der 300.000
Einwohner verlieren ihr Obdach.
19. 4.
Der französische Physiker Pierre Curie (1859-1906) kommt bei einem
Verkehrsunfall in Paris ums Leben.
22. 4.
In Athen werden Olympische Zwischenspiele eröffnet. Die Resonanz
übertrifft die der Olympischen Spiele von Paris und St. Louis bei weitem.
884 Athleten aus 20 Ländern starten in 77 Wettbewerben.
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Mai
- 5. 5.
Bei den Neuwahlen zum ungarischen Abgeordnetenhaus erringt die Unabhängigkeitspartei
die absolute Mehrheit.
6. 5.
Zar Nikolaus II. gibt dem Russischen Reich seine erste Verfassung. Sie schreibt
einerseits die "oberste selbstherrliche Gewalt" des Monarchen
fest, beinhaltet aber auch die Einführung einer gewählten Volksvertretung,
der Duma.
10. 5.
Die russische Duma tritt erstmals zusammen.
19. 5.
Der Reichstag verabschiedet die Erste Flottengesetznovelle.
- Im Beisein der Staatsoberhäupter
der Schweiz und Italiens wird in Brig der Simplontunnel feierlich eröffnet.
Die Arbeiten an dem mit 19,8 km längsten Eisenbahntunnel der Welt hatten
1898 begonnen.
- Mit der Erbschaftssteuer
wird die erste direkte Reichssteuer bewilligt. Die Tabaksteuer und Quittungsstempel
werden aufgehoben. Dafür werden neue Steuern wie die Brau-, Automobil-
und Zigarettensteuer eingeführt. Das Defizit im Reichsetat bleibt bestehen.
23. 5.
Tod des norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen (1828-1906) in Kristiania
(heute: Oslo).
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Juni
- 2. 6.
Mit einer Fahrt der Kaiseryacht "Alexandria" wird der Teltowkanal
eingeweiht. Er verbindet im Süden von Berlin auf einer Strecke von
38 km die Havel mit der Spree.
5. 6.
Tod des Philosophen Eduard von Hartmann (1842-1906) in Groß-Lichterfelde
bei Berlin.
7. 6.
Stapellauf des britischen Passagierdampfers "Lusitania": Der
größte Luxusdampfer der Welt verfügt über eine Maschinenleistung
von 70.000 PS und bietet 2.000 Passagieren Platz. Die "Lusitania"
ist zugleich der erste turbinengetriebene Nordatlantik-Dampfer.
14. 6.
In Rußland kommt es erneut zu einem Judenpogrom. In der Stadt
Bialystok werden 75 Juden ermordet und 169 jüdische Wohnungen und Geschäfte
geplündert. Eine von der Duma eingesetzte Untersuchungskommission kommt
zu der Erkenntnis, daß die antisemitischen Ausschreitungen von russischem
Militär inszeniert wurden. Polizisten und Soldaten beteiligten sich
an der Menschenjagd und an den Plünderungen.
22. 6.
Haakon VII. (1872-1957) wird in Trondheim zum König von Norwegen
gekrönt. Damit erhält das Land erstmals seit 1380 wieder einen
eigenen König.
26. 6.
In Le Mans findet ein Autorennen um den "Großen Preis von
Frankreich" statt. Das erste "Grand Prix"-Rennen, an dem
32 Wagen teilnehmen, führt über 1.238 Kilometer. Sieger wird der
in Frankreich lebende Ungar Ferencz Szisz mit einem Renault. Er erreicht
eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 100 km/h.
27. 6.
Mit einem 2:1-Sieg über den 1. FC Pforzheim wird der VfB Leipzig
Deutscher Fußballmeister.
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Juli
- 12. 7.
Mit der Aufhebung des Kriegsgerichtsurteils von 1899 durch den französischen
Kassationshof ist die Dreyfus-Affäre endgültig beendet. Hauptmann
Alfred Dreyfus wird rehabilitiert und im Range eines Majors wieder in die
Armee aufgenommen. Am 21. Juli folgt seine Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion.
16. 7.
Die Stuttgarter Elektrotechnik-Firma Robert Bosch führt eine neue
Arbeitsordnung ein, in der eine achtstündige Arbeitszeit festgeschrieben
ist. Darüber hinaus wird der 1. Mai zum arbeitsfreien Tag erklärt,
allerdings ohne Lohnzahlung.
21. 7.
Nach nicht einmal dreimonatiger Tätigkeit löst der russische
Zar die Duma wegen angeblicher Kompetenzüberschreitungen wieder auf.
Die Zusammenkunft einer neuen Volksvertretung wird erst für März
1907 anberaumt.
23. 7.
Mitglieder der aufgelösten Duma fordern das russische Volk im "Wyborger
Aufruf" zu passivem Widerstand gegen das Zarenregime auf. Als Ausdruck
des Protestes sollen Einberufungen zum Militär und Steuerzahlungen
verweigert werden.
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August
- 2. 8.
Die deutsche Regierung beantragt im Reichstag einen Nachtragshaushalt
in Höhe von 29 Millionen Mark für den Krieg in Deutsch-Südwestafrika.
16. 8.
Die chilenische Hafenstadt Valparaiso wird bei einem Erdbeben fast vollständig
zerstört. Auch die Hauptstadt Santiago de Chile wird erschüttert.
Insgesamt kommen 10.000 Menschen ums Leben.
17. 8.
In Kuba bricht ein bewaffneter Aufstand gegen die einheimische Marionettenregierung
und die Abhängigkeit des Landes von den USA aus. An der Spitze des
Aufstandes steht General José Miguel Gómez, der vor
der Jahrhundertwende bereits führend am Unabhängigkeitskampf gegen
Spanien beteiligt war.
25. 8.
Bei einem Attentat auf den Landsitz des russischen Ministerpräsidenten
Pjotr A. Stolypin (1862-1911) werden 24 Menschen getötet. Stolypin
selbst bleibt unverletzt.
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September
- 14. 9.
Einheiten der amerikanischen Marineinfanterie landen auf Kuba und unterstützen
die kubanische Regierung bei der Niederschlagung des Aufstands.
22. 9.
Auf der 4. Konferenz sozialdemokratischer Frauen wird eine Resolution
mit der Forderung des Frauenwahlrechts einstimmig angenommen.
23. 9.
In Atlanta im US-Bundesstaat Georgia kommt es zu einem Fall von Massenlynchjustiz:
30 Schwarze werden von Weißen erschlagen oder gesteinigt. Als Vorwand
für den rassistischen Gewaltausbruch dienen Meldungen über Vergewaltigungen
weißer Frauen durch Schwarze.
- Auf dem Mannheimer
Parteitag der Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) argumentiert
August Bebel gegen den Massenstreik zur Durchsetzung politischer Forderungen.
24. 9.
Eröffnung der ersten Ausstellung der expressionistischen Künstlervereinigung
"Die Brücke" in einer Dresdner Fabrikhalle. Die Ausstellung
wird von der Öffentlichkeit wie von der Kritik weitgehend ignoriert.
29. 9.
US-Kriegsminister William Howard Taft (1857-1930) übernimmt als
Gouverneur die provisorische Regierung Kubas.
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Oktober
- 4. 10.
Georges Clemenceau wird französischer Ministerpräsident.
16. 10.
Die Affäre um den "Hauptmann von Köpenick" sorgt
für Aufsehen und Hohn in der deutschen Öffentlichkeit. Ein arbeitsloser
Schuster hatte in einer beim Trödler erworbenen Hauptmannsuniform "auf
Befehl des Kaisers" den Bürgermeister von Köpenick verhaftet
und die Stadtkasse "beschlagnahmt".
17. 10.
Dem deutschen Physiker Arthur Korn (1870-1945) gelingt die telegraphische
Übertragung eines Porträts des Kronprinzen Wilhelm (1882-1951)
über eine Entfernung von 1.800 km. Das erstmals angewandte Prinzip
der Umwandlung von Lichtschwankungen in elektrische Stromstöße
mittels Selenzellen ist von bahnbrechender Bedeutung für die Telegraphie.
22. 10.
Tod des französischen Malers Paul Cézanne in Aix-en-Provence.
27. 10.
Der Publizist Maximilian Harden bezichtigt in der Zeitschrift "Die
Zukunft" den Berliner Stadtkommandanten Kuno Graf von Moltke
der Homosexualität.
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November
- 5. 11.
Die französische Physikerin Marie Curie hält ihre Antrittsvorlesung
als außerordentliche Professorin an der Sorbonne. Sie übernimmt
die Professur ihres im April verunglückten Mannes und ist die erste
Professorin an der Pariser Universität.
13. 11.
Wilhelm II. legt in München den Grundstein für das "Deutsche
Museum von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik". Initiator
und Gründer des größten naturwissenschaftlich-technischen
Museums der Welt ist der Mitbegründer der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft
(AEG), Oskar von Miller (1855-1934).
15. 11.
Der erste Kurs an der neu eingerichteten Parteischule der SPD beginnt
in Berlin. Die Ausbildung der Funktionäre erfolgt in Halbjahreskursen
mit jeweils 30 vom Parteivorstand ausgewählten Teilnehmern. Zu den
Lehrkräften des ersten Kurses zählen Rudolf Hilferding und Franz
Mehring.
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Dezember
- 1. 12.
Das österreichische Parlament beschließt nach monatelangen
Debatten die Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten
Wahlrechts für Männer. Damit erhöht sich die Zahl der Wahlberechtigten
um 75 Prozent. Frauen haben weiterhin kein Wahlrecht.
4. 12.
In Hamburg wird der neue Hauptbahnhof mit der größten Bahnhofshalle
der Welt eingeweiht. Das fünf Millionen Mark teure Projekt wurde gemeinsam
von den Ländern Hamburg und Preußen finanziert.
10. 12.
Der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt erhält den
Friedensnobelpreis für seine Vermittlung bei den Friedensverhandlungen
zwischen Japan und Rußland in Portsmouth.
13. 12.
Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow löst auf Verordnung
des Kaisers den Reichstag auf, nachdem dieser die Bewilligung zusätzlicher
Mittel für den Krieg in Deutsch-Südwestafrika mehrheitlich abgelehnt
hat.
14. 12.
Das erste deutsche Untersee-Boot wird in Kiel seiner Bestimmung übergeben.
Die "U 1" ist 42,30 m lang, 3,60 Meter breit und erreicht eine
maximale Tauchtiefe von 37 m.
24. 12. Einem kanadischen Physiker gelingt es, einen gesprochenen Text
drahtlos zu übertragen. Die von ihm benutzte Funkstation in Massachusetts
(USA) strahlt damit die erste Radiosendung aus.
- (Quelle:LeMO)
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