  
1900 1901 1902
1903 1904 1905
1906 1907 1908
1909 1910 1911
1912 1913 1914
1915 1916 1917
1918
-
Januar
- 2. 1.
Die Botschafter der sechs europäischen Großmächte des
Dreibunds und der Entente verständigen sich in London darüber,
die Souveränität Albaniens anzuerkennen.
4. 1.
Tod des preußischen Generalfeldmarschalls Alfred von Schlieffen
in Berlin. Er entwickelte den Aufmarschplan für das deutsche Heer,
der im Ersten Weltkrieg zur Anwendung kommt.
6. 1.
Die Londoner Verhandlungen zur Beendigung des Balkankriegs werden abgebrochen,
da es zu keiner Einigung über die Zugehörigkeit von Adrianopel
(Edirne) kommt.
17. 1.
Zum neuen Staatspräsidenten Frankreichs wird der bisherige Ministerpräsident
Raymond Poincaré gewählt.
22. 1.
Deutsche Polizei löst in Posen eine Feier anläßlich
des 50. Jahrestags des polnischen Aufstands gegen die russische Herrschaft
im Jahr 1863 auf.
23. 1.
Im Osmanischen Reich kommt es unter der Führung des Jungtürken
Enwer Pascha erneut zu einem Staatsstreich. Anlaß für
den Putsch ist die Haltung der konservativen Regierung bei den Friedensverhandlungen
mit dem Balkanbund.
- Der Entwurf eines neuen
Wohnraumgesetzes für Preußen wird im "Reichsanzeiger"
veröffentlicht. Es sieht vor allem den Bau von preiswerten Kleinwohnungen
für Arbeiter vor.
30. 1.
Die Staaten des Balkanbunds kündigen den am 3. Dezember 1912 geschlossenen
Waffenstillstand mit dem Osmanischen Reich.
-

Februar
- 2. 2.
Der größte Bahnhof der Welt wird in New York eingeweiht.
Das Areal der Grand Central Station umfaßt 32 Hektar, es können
1.043 Waggons darin gleichzeitig unterkommen.
3. 2.
Der Österreicher Rudolf Steiner (1861-1925) gründet in Berlin
die Anthroposophische Gesellschaft, die die Förderung der Selbstbestimmung
in der kindlichen Entwicklung betont.
12. 2.
Die Reichstagsfraktion der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
(SPD) beantragt die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten
und geheimen Wahlrechts für alle deutschen Länder. Der Antrag
wird abgelehnt.
19. 2.
Britische Suffragetten sprengen das in Bau befindliche Landhaus von
Schatzkanzler David Lloyd George, um ihrer Forderung nach einem Wahlrecht
für Frauen Nachdruck zu verleihen.
- Der Reichstag bewilligt
die vollständige Aufhebung des Jesuitengesetzes, das bisher den Jesuiten
Aufenthalt und Tätigkeit in Deutschland untersagt hatte.
22. 2.
Eine Neuregelung der Handwerkerausbildung ermöglicht auch weiblichen
Lehrlingen die Zulassung zur Meisterprüfung.
-

März
- 4. 3.
Woodrow Wilson tritt sein Amt als 28. Präsident der Vereinigten
Staaten von Amerika an.
5. 3.
Beim Zusammenstoß eines Torpedoboots mit einem schweren Kreuzer
bei einem Flottenmanöver südlich von Helgoland kommen 55 deutsche
Matrosen ums Leben.
15. 3.
Die Deutsch-Konservativen erklären auf ihrem Parteitag in Berlin
die Bekämpfung der Sozialdemokratie zum vorrangigen Ziel der Partei.
18. 3.
Der griechische König Georg I. (1845-1913) fällt in Saloniki
einem Attentat zum Opfer, ihm folgt sein ältester Sohn Konstantin (1868-1923)
auf dem Thron.
21. 3.
Neuer französischer Ministerpräsident wird Louis Barthou (1862-1934).
28. 3.
Das britische Unterhaus verabschiedet den Flottenetat für das Jahr
1913/14, der eine Aufstockung der Personalstärke um 8.500 Mann und
den Bau von fünf Schlachtschiffen, acht Kreuzern und 16 Torpedobooten
vorsieht.
-

April
- 3. 4.
Ein für den Militäreinsatz gebautes deutsches Luftschiff wird
bei einem Probeflug vom Wind abgetrieben und muß auf dem französischen
Truppenübungsplatz Lunéville notlanden. Die Regierung in Paris
ordnet eine amtliche Untersuchung an, findet jedoch keine Anhaltspunkte
für Spionage.
3. 4.
Die britische Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst 1858-1928) wird wegen
Anstiftung des Anschlags auf das Landhaus von Schatzkanzler Lloyd George
zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt.
9. 4.
In Mariendorf bei Berlin wird eine neue Trabrennbahn eröffnet.
14. 4.
In Belgien beginnt ein Generalstreik für allgemeines und gleiches
Wahlrecht, an dem sich rund 400.000 Arbeiter beteiligen. Die Regierung setzt
eine parlamentarische Kommission zur Ausarbeitung einer Wahlrechtsreform
ein.
20. 4.
Bulgarische Freischärler überfallen bei Kamanowo einen serbischen
Truppentransport und töten 80 Soldaten.
23. 4.
Der preußische Landtag in Berlin bewilligt das Gesetz zur Stärkung
des Deutschtums in den Provinzen Posen und Westpreußen. Für den
Erwerb polnischer Güter stehen 175 Millionen Mark zur Verfügung.
26. 4.
In der belgischen Stadt Gent wird die 28. Weltausstellung eröffnet.
Ihr Prunkstück ist ein 3.000 Quadratmeter großer Blumenpalast.
Deutschland zeigt vor allem Produkte aus den Bereichen Maschinenbau, Haushalts-
und Bürotechnik.
-

Mai
- 6. 5.
Das britische Unterhaus lehnt eine Gesetzesvorlage zur Einführung
des Frauenwahlrechts mit 266 gegen 219 Stimmen ab. Befürworter und
Gegner kommen aus allen Parteien.
- Auf dem Kongreß
des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne stellt Carl Diem
die Planungen für die VI. Olympischen Spiele 1916 in Berlin vor.
20. 5.
Der britische König Georg V. (1865-1936) und der russische Zar
Nikolaus II. weilen als Gäste einer Hochzeit am deutschen Kaiserhof
in Berlin. Es ist das letzte große Treffen der europäischen Monarchen.
25. 5.
Mit der erzwungenen Selbsttötung von Oberst Alfred Redl (1864-1913)
endet in Prag die spektakulärste Spionageaffäre im Vorfeld des
Ersten Weltkriegs. Der Generalstabschef des Prager Korps der österreich-ungarischen
Armee hatte seit 1901 geheime militärische Unterlagen an Rußland,
Frankreich und Italien verkauft.
29. 5.
Uraufführung des Ballets "Das Frühlingsoper" von
Igor Strawinsky in Paris.
30. 5.
In London unterzeichnen Vertreter der Staaten des Balkanbunds und des
Osmanischen Reichs einen Präliminarfrieden zur Beendigung des Kriegs
von 1912. Das Osmanische Reich muß die Loslösung Mazedoniens
und den Verlust fast des gesamten europäischen Territoriums anerkennen.
Der Friedensschluß löst neue Konflikte zwischen Serbien und Bulgarien
aus.
-

Juni
- 3. 6.
Bei den Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus behaupten die
Konservativen trotz geringer Verluste ihre Mehrheit.
8. 6.
Im Berliner Grunewald wird das für die Olympischen Spiele 1916
gebaute Deutsche Stadion mit einer Massenveranstaltung im Beisein von Kaiser
Wilhelm II. eingeweiht. Es bietet 30.000 Zuschauern Platz.
29. 6.
Mit Angriffen der bulgarischen Armee auf zwei serbische Städte
beginnt der Zweite Balkankrieg. Am 1. Juli erklären Serbien und Griechenland
dem ehemaligen Verbündeten Bulgarien den Krieg, in den das Osmanische
Reich und Rumänien an der Seite Serbiens eingreifen.
30. 6.
Der Reichstag verabschiedet in dritter Lesung die von der Regierung
eingebrachte Wehrvorlage. Sie sieht eine Erhöhung der Friedenspräsenzstärke
des Heeres um 117.267 auf 661.478 Mann bis zum 31. Oktober 1915 vor.
-

Juli
- 1. 7.
Die Mitgliederzahl der SPD hat sich im Verlauf eines Jahres um 12.748
auf 988.820 erhöht.
- In der Südafrikanischen
Republik bricht in den Gold- und Diamantenminen bei Johannesburg ein Bergarbeiterstreik
aus, an dem sich mehr als 20.000 Arbeiter beteiligen. Bei den Kämpfen
zwischen Streikenden und Militär kommen rund 100 Menschen ums Leben.
12. 7.
An der Möhne im Sauerland wird die größte deutsche Talsperre
eingeweiht. Dem Bau der Möhnetalsperre, die vor allem die Industrieanlagen
des Ruhrgebiets mit Wasser versorgen soll, fielen mehrere Ortschaften zum
Opfer. Die Staumauer ist 638 Meter lang und 40,3 Meter hoch.
-

August
- 7. 8.
Der französische Senat beschließt die bereits von der Abgeordnetenkammer
gebilligte Verlängerung der allgemeinen Wehrpflicht auf drei Jahre.
10. 8.
Mit dem "Frieden von Bukarest" geht der Zweite Balkankrieg
zu Ende. Bulgarien muß erhebliche Gebiete an Serbien und Griechenland
abtreten. Serbien erlangt in den Balkankriegen insgesamt einen Gebietszuwachs
von 81 Prozent des bisherigen Territoriums und einen Bevölkerungszuwachs
von 1,5 Millionen. Der Großteil der Grenzverschiebungen geht zu Lasten
des Osmanischen Reichs.
13. 8.
Tod des Begründerts der deutschen Sozialdemokratie, August Bebel
in Passugg (Schweiz).
16. 8.
In den Ford-Automobilwerken in Detroit wird erstmals ein Fließband
zur Montage von Autos eingesetzt. Im Geschäftsjahr 1913/14 produziert
die Ford Motor Company 264.972 Automobile.
22. 8.
Delegierte des Verbands sozialdemokratischer Wahlvereine Groß-Berlins
fordern auf einer Veranstaltung zum "Gebärstreik" auf. Damit
sollen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und dem Militär weniger
Arbeiter und Soldaten zur Verfügung stehen. Clara Zetkin und Rosa Luxemburg
sprechen sich gegen den Vorschlag ihrer Parteigenossen aus.
-

September
- 1. 9.
Chinesische Regierungstruppen erobern mit der Stadt Nanking die letzte
Bastion der rebellierenden Anhänger der Kuomintang. Der Führer
der Nationalen Volkspartei Sun Yat-sen (1866-1925) befindet sich seit Mitte
August im japanischen Exil.
14. 9.
In Jena beginnt der Parteitag der SPD. Nach dem Tod von August Bebel
werden Hugo Haase und Friedrich Ebert zu Parteivorsitzenden gewählt.
Ein Antrag von Rosa Luxemburg über den Einsatz des Massenstreiks als
politische Waffe wird mehrheitlich abgelehnt.
22. 9.
Die deutsche Reichsregierung bewilligt 300.000 Mark für die Vorbereitung
deutscher Sportler auf die Olympischen Spiele, die 1916 in Berlin stattfinden
sollen.
29. 9.
Bulgarien und das Osmanische Reich unterzeichnen einen separaten Friedensvertrag,
mit dem die beiderseitigen Gebietsstreitigkeiten beigelegt werden.
-

Oktober
- 10. 10.
Mit der Sprengung eines Staudamms wird beim Bau des Panamakanals der
erste Durchbruch zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Ozean geschaffen.
US-Präsident Wilson löste die Sprengung von seinem Amtssitz in
Washington mittels eines 6.500 km langen Kabels aus.
16. 10.
Uraufführung von George Bernard Shaws (1856-1950) Komödie
"Pygmalion" in Wien.
18. 10.
Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig wird im Beisein von Wilhelm
II. und weiteren deutschen Fürsten mit einem Festakt eingeweiht. Es
erinnert an die Entscheidungsschlacht von 1813 im antinapoleonischen Befreiungskampf.
Das Monument ist 91 m hoch. An der Stirnseite befindet sich ein 60 m breites
und 25 m hohes Relief mit einer Darstellung der Völkerschlacht.
18. 10.
Österreich-Ungarn fordert Serbien ultimativ auf, binnen acht Tagen
das besetzte Gebiet in Nordalbanien zu verlassen. Die Regierung in Belgrad
kommt der Forderung auf Druck des Bündnispartners Rußland nach.
25. 10.
In Köln wird das Museum für Ostasiatische Kunst eingeweiht.Das
von der Stadt Köln errichtete Haus beherbergt die von dem Ostasienforscher
Adolf Fischer gestiftete Sammlung.
-

November
- 5. 11.
Der belgische König Albert I. (1875-1934) trifft zu einem Besuch
in Deutschland ein. Kaiser Wilhelm II. und Generalstabschef Helmuth von
Moltke versuchen, Belgien für den Fall eines Krieges mit Frankreich
zu einem Engagement für das Deutsche Reich zu bewegen. Belgien besteht
jedoch auf seiner Neutralität.
- Der bayerische Prinzregent
Ludwig (1845-1921), der anstelle des physisch kranken Königs Otto (1848-1916)
regiert, erklärt sich nach Zustimmung der Abgeordnetenkammer und der
Kammer der Reichsräte als Ludwig III. zum König von Bayern.
6. 11.
In der elsässischen Stadt Zabern kommt es zu ersten Protestaktionen
gegen Übergriffe von Offizieren des dort stationierten Infanterieregiments
auf die einheimische Zivilbevölkerung. Weitere Provokationen des Militärs
und zunehmender Widerstand der Einheimischen rücken die "Zabern-Affäre"
in den Blickpunkt der Öffentlichkeit und lösen landesweite Empörung
aus.
- Unter der Führung
von Morandas Karamchand "Mahatma" Gandhi (1869-1948) überqueren
rund 2.200 indisch-stämmige Einwanderer demonstrativ die für sie
geschlossene Grenze zwischen den Provinzen Natal und Transvaal, um gegen
die Politik der Rassentrennung in der Südafrikanischen Union zu demonstrieren.
8. 11.
Im Münchner Residenztheater findet die Uraufführung des Dramas
"Woyzeck" von Georg Büchner (1813-1837) rund 80 Jahre nach
seinem Entstehen statt.
24. 11.
Das Berliner Verlagshaus Ullstein & Co. kauft für fünfeinhalb
Millionen Mark die bisher in Familienbesitz befindliche "Vossische
Zeitung".
30. 11.
Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg und der preußische
Kriegsminister Erich von Falkenhayn treffen zu Beratungen über die
Beilegung der "Zabern-Affäre" in Donaueschingen ein, wo sich
auch Wilhelm II. aufhält.
-

Dezember
- 2. 12.
Die Regierungen der europäischen Großmächte einigen
sich darauf, den deutschen Prinzen Wilhelm zu Wied (1876-1945) zum regierenden
Fürsten des neugeschaffenen Staates Albanien zu ernennen.
5. 12.
Wilhelm II. ordnet die vorübergehende Verlegung der in Zabern stationierten
Bataillone an.
8. 12.
Frankreich präsentiert eine neue Regierung: Ministerpräsident
wird Gaston Doumergue (1863-1937), der zugleich das Amt des Außenministers
übernimmt.
10. 12.
Der indische Dichter Rabindranath Tagore (1861-1941) erhält den
Nobelpreis für Literatur.
12. 12.
Das 1911 gestohlene Gemälde "Mona Lisa" wird in Florenz
von der italienischen Polizei entdeckt und sichergestellt.
14. 12.
Eine deutsche Militärmission trifft in Konstantinopel ein und beginnt
vertragsgemäß mit einer Reorganisation der Armee des Osmanischen
Reichs. Durch das deutsche Engagement am Bosporus verschärfen sich
die Spannungen zu den Entente-Staaten.
- (Quelle:LeMO)
|