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1900 1901 1902
1903 1904 1905
1906 1907 1908
1909 1910 1911
1912 1913 1914
1915 1916 1917
1918
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Januar
- 2. 1.
Die russische Besatzung der Hafenfestung Port Arthur kapituliert nach
monatelanger Belagerung durch die Japaner. Damit ist der Ausgang des Russisch-Japanischen
Kriegs entschieden.
4. 1.
In Deutsch-Südwestafrika erstürmen deutsche Kolonialtruppen
nach 50stündigem Gefecht Groß-Nabas, die wichtigste Festung des
aufständischen Stammes der Hottentotten.
5. 1.
Helene Stöcker gründet in Berlin den "Bund für Mutterschutz".
Ziel der Vereinigung ist die Anerkennung nichtehelicher Lebensgemeinschaften,
die Gleichstellung unehelicher Kinder und die Streichung des § 218.
7. 1.
Im Ruhrgebiet beginnt ein Bergarbeiterstreik, an dem sich im Laufe eines
Monats fast 200.000 Kumpel beteiligen. Auslösendes Moment ist die Forderung
nach der Rücknahme einer im Dezember 1904 verfügten Schicht-Verlängerung.
- Die USA übernehmen
vertraglich den Schutz und die Finanzhoheit über die Dominikanische
Republik und bezahlen deren Auslandsschulden. Damit sinkt das mittelamerikanische
Land praktisch auf den Status einer Kolonie der Vereinigten Staaten.
22. 1.
Zaristische Truppen eröffnen in der russischen Hauptstadt St. Petersburg
das Feuer auf rund 140.000 Demonstranten, die friedlich auf die Beantwortung
einer Bittschrift an den Zaren warten. Dem Massaker fallen rund 1.000 Menschen
zum Opfer, mehr als 2.000 werden verletzt. Mit dem "Petersburger Blutsonntag"
beginnt in Rußland eine Periode revolutionärer Unruhen, die sich
bis ins Jahr 1907 hinziehen.
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Februar
- 4. 2.
Das Zentrum bringt im Deutschen Reichstag den "Toleranzantrag"
ein. Er fordert für alle staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften
in allen deutschen Ländern die gleichen Rechte.
8. 2.
Die Kanalbauvorlage wird vom Preußischen Abgeordnetenhaus in modifizierter
Form angenommen. Damit haben sich agrarische Interessen erneut durchgesetzt.
9. 2.
Ein Bergarbeiterstreik im Ruhrgebiet führt zur Rekordzahl von 15
Millionen gestreikten Arbeitstagen in Deutschland.
- Tod des Malers und
Zeichners Adolph von Menzel in Berlin.
11. 2.
Tod des Schriftstellers Otto Hartleben (1864-1905) in Salò am
Gardasee.
22. 2.
Der Reichstag verabschiedet neue Handelsverträge mit zahlreichen Außenhandelspartnern
Deutschlands. Die Verträge begünstigen die deutsche Landwirtschaft.
27. 2.
In Berlin wird im Beisein der Kaiserfamilie der erste protestantische Dom
Preußens eingeweiht.
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März
- 4. 3.
Mit einem bombastischen Zeremoniell wird Theodore Rooseveltin Washington
in seine zweite Amtsperiode als Präsident der Vereinigten Staaten eingeführt.
20. 3.
Theobald von Bethmann Hollweg wird neuer preußischer Innenminister.
23. 3.
Tod des französischen Schriftstellers Jules Verne (1828-1905) in
Amiens.
31. 3.
Ein Besuch von Kaiser Wilhelm II. in der marokkanischen Hafenstadt Tanger
führt zur ersten Marokko-Krise . Das Deutsche Reich betrachtet
Marokko als unabhängigen Staat und gerät so in Konflikt mit Frankreich.
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April
- 1. 4.
Der Reichstag verabschiedet ein Gesetz über die Erhöhung der
Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres. Innerhalb von vier
Jahren soll die Landstreitmacht um 10.000 Mann auf insgesamt rund 500.000
aufgestockt werden.
21. 4.
Der amerikanische Multimillionär und Kunstmäzen Andrew Carnegie
(1835-1919) schenkt dem Britischen Museum in London das Skelett eines in
ordamerika ausgegrabenen Dinosauriers.
25. 4.
In Frankreich vereinigen sich die beiden sozialistischen Parteien unter
Jean Jaurès und Jules Guesde (1845-1922) zur "Sozialistischen
Partei, Französische Sektion der Arbeiterinternationale" (SFIO).
Die Partei gibt sich ein marxistisches Programm, Wortführer im Parlament
wird Jaurès.
27. 4.
In der belgischen Stadt Lüttich wird die 18. Weltausstellung eröffnet.
Sie fällt zusammen mit den Feiern zum 75. Jahrestag der Unabhängigkeit
Belgiens. Deutschland ist neben dem Gastgeberland und Frankreich der größte
Aussteller.
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Mai
- 1. 5.
Bei Maikundgebungen in Warschau kommt es zu blutigen Zusammenstößen
zwischen polnischen Arbeitern und dem russischen Militär. Mehr als
100 Polen werden getötet. Über die Stadt wird das Kriegsrecht
verhängt.
7. 5.
Einen weiteren Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung erlebt
die russische Stadt Shitomir. Zwei hebräische Druckereien und zahlreiche
Geschäfte werden zerstört, fast 200 Menschen kommen ums Leben.
Die Pogromstimmung wird von der zaristischen Regierung geschürt, indem
sie die Juden für die revolutionären Unruhen im ganzen Land verantwortlich
macht.
22. 5.
In Köln beginnt der 5. Kongreß der Freien Gewerkschaften,
der mit 1,3 Millionen Mitgliedern größten Gewerkschaftsbewegung
Deutschlands. Die Delegierten sprechen sich mehrheitlich gegen den Generalstreik
zur Durchsetzung gewerkschaftlicher Forderungen aus.
27. 5.
In der Seeschlacht bei Tsuchima erringt die japanische Flotte den entscheiden
Sieg über Rußland und sichert sich damit die Vorherrschaft auf
den ostasiatischen Gewässern.
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Juni
- 6. 6.
Die Hochzeit des deutschen Kronprinzen Wilhelm (1882-1951) mit Herzogin
Cecilie von Mecklenburg-Schwerin (1886-1954) ist das herausragende gesellschaftliche
Ereignis des Jahres. Die Feierlichkeiten erstrecken sich über mehrere
Tage.
7. 6.
Das norwegische Parlament erklärt einstimmig die Union mit Schweden
für aufgelöst. König Oskar II. (1829-1907) von Schweden und
Norwegen wird für das Gebiet Norwegens abgesetzt.
- In Dresden gründen
vier Studenten der Architektur und der Malerei Ernst Ludwig Kirchner, Erich
Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl (1880-1966) die Künstlervereinigung
"Die Brücke". In ihr finden die herausragenden Vertreter
des deutschen Expressionismus ihre Heimstatt.
22. 6.
Der Mediziner und Privatgelehrte Alfred Ploetz (1860-1940) gründet
in Berlin die "Deutsche Gesellschaft für Rassenhygiene".
Die Gesellschaft will "Rassenhygiene" als wissenschaftliches Fach
einführen.
27. 6.
Eine Meuterei auf dem Panzerkreuzer "Potemkin" und dessen
Landung in Odessa führen zu einer Eskalation der revolutionären
Unruhen im russischen Schwarzmeergebiet.
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Juli
- 7. 7.
Mit Einführung eines neuen Zensuswahlrechts im Freistaat Lübeck
verliert ein Großteil der Bürger seine Wahlberechtigung.
9. 7.
Bei einer Massenkundgebung der SPD in Berlin gegen die drohende Kriegsgefahr
im Zusammenhang mit der Marokko-Krise beschwören rund 18.000 Teilnehmer
die Verbundenheit des deutschen und des französischen Proletariats.
Die geplante Teilnahme des französischen Sozialistenführers Jean
Jaurès wird durch eine persönliche Intervention von Reichskanzler
Bernhard Graf von Bülow verhindert.
25. 7.
Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus II. vereinbaren bei einem Treffen
auf der Insel Björkö ein Defensivbündnis zwischen dem Deutschen
und dem Russischen Reich. Es verpflichtet für den Fall eines Angriffs
einer europäischen Macht den jeweils anderen Vertragspartner zur Hilfeleistung.
Das Abkommen wird jedoch nie ratifiziert.
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August
- 4. 8.
In der amerikanischen Hafenstadt Portsmouth beginnen die Friedensverhandlungen
zwischen Japan und Rußland. Präsident Roosevelt empfängt
die Leiter der Verhandlungsdelegationen und übernimmt die Vermittlung.
12. 8.
Großbritannien und Japan unterzeichnen in London ein "Schutz-
und Trutzbündnis". Es regelt die Abgrenzung der gegenseitigen
Interessensphären in Südostasien nach dem Russisch-Japanischen
Krieg.
13. 8.
Bei einer Volksabstimmung in Norwegen votieren 368.392 Wähler für
die Beendigung der Union mit Schweden, nur 184 sind dagegen. Frauen dürfen
nicht mit abstimmen.
29. 8.
In der Stettiner Vulkanwerft läuft im Beisein des Kaiserpaares
der Dampfer "Kaiserin Auguste Viktoria" vom Stapel. Das größte
deutsche Fahrgastschiff bietet mehr als 4.000 Passagieren Platz und steht
im Dienst der Hamburg-Amerika-Linie.
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September
- 5. 9.
Japan und Rußland unterzeichnen einen Friedensvertrag. Rußland
verliert den südlichen Teil der Insel Sachalin und den Hafen Port Arthur;
Korea wird japanisches Interessensgebiet. Beide Mächte ziehen ihre
Truppen aus der Mandschurei zurück und erkennen die Hoheit Chinas über
das Gebiet an.
7. 9.
In Tokio kommt es aus Enttäuschung über die Ergebnisse des
Friedensvertrags mit Rußland zu blutigen Ausschreitungen. Die Proteste
richten sich gegen die eigene Regierung und die Vermittlerrolle der USA.
17. 9.
In Jena beginnt der Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
(SPD). Die Resolution zur Befürwortung des politischen Generalstreiks,
der mit "umfassendster Anwendung der Massenarbeitseinstellung"
umschrieben wird, wird mit 287 gegen 14 Stimmen angenommen. Diese Protestform
soll allerdings nur in Fällen von Einschränkungen des Reichstagswahlrechts
und des Koalitionsrechts angewendet werden.
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Oktober
- 7. 10.
In Leipzig wird im Beisein des sächsischen Königs Friedrich
August III. (1865-1932) das Neue Rathaus seiner Bestimmung übergeben.
18. 10.
Gründung der Künstlervereinigung "Fauves" in Paris.
24. 10.
In Rußland mündet die revolutionäre Krise in einen politischen
Generalstreik, der von der Forderung nach dem Sturz der zaristischen Herrschaft
und dem Ruf nach einer demokratischen Republik begleitet wird.
26. 10.
Schweden und Norwegen fixieren in der Konvention von Karlstadt die offizielle
Auflösung der Staatenunion.
30. 10.
Zar Nikolaus II. verspricht in seinem "Oktobermanifest" bürgerliche
Grundrechte und die Wahl einer gesetzgebenden Versammlung (Duma). Damit
befriedigt er zwar die liberale Opposition, nicht aber die revolutionären
Sozialisten. Sie fordern die Abschaffung der Monarchie.
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November
- 4. 11.
Rußland stellt durch einen Erlaß von Zar Nikolaus II. die
Autonomie Finnlands wieder her.
5. 11.
Nach fast 20jähriger Zersplitterung der Liberalen gründen
Vertreter der Nationalliberalen Partei, der Freisinnigen Partei, der Deutschen
Volkspartei, der jungliberalen Vereine und der Vereine der Nationalsozialen
einen gemeinsamen Zentralausschuß.
12. 11.
Prinz Carl von Dänemark wird als Haakon VII. (1872-1957) zum König
von Norwegen gewählt.
19. 11.
In Berlin wird der öffentliche Autobusverkehr aufgenommen. In der
Nacht verkehren weiterhin Pferdebusse, nur am Tage werden die neuen Kraftomnibusse
mit insgesamt 24 Sitzplätzen eingesetzt.
28. 11.
In Wien demonstrieren mehr als 200.000 Menschen für die Einführung
des allgemeinen Wahlrechts. Zuvor gab es bereits machtvolle Kundgebungen
in Prag und Budapest.
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Dezember
- 1. 12.
Im Deutschen Reich leben 60.641.278 Menschen. Das bedeutet eine Zunahme
von 7,6 Prozent gegenüber der letzten Volkszählung vor fünf
Jahren. In der Reichshauptstadt Berlin leben 2.040.148 Einwohner.
6. 12.
Reichskanzler Bülow fordert in einer Grundsatzrede vor dem Reichstag
eine "offene Tür" nach Marokko. Damit rückt die Marokko-Krise
wieder ins Zentrum der deutschen Außenpolitik.
9. 12.
Uraufführung der Oper "Salome" von Richard Strauss in
Dresden.
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10. 12.
Den Friedensnobelpreis erhält die österreichische Pazifistin
Bertha von Suttner. Auch drei deutsche Wissenschaftler werden mit dieser
Auszeichnung bedacht: Robert Koch erhält den Nobelpreis für Medizin,
Adolf von Baeyer (1835-1917) für Chemie und Philipp Lenard für
Physik.
20. 12.
In Moskau kommt es nach einem Aufruf des Sowjets der Arbeiterdeputierten
zu einem erneuten Generalstreik, der am 23. Dezember in einen bewaffneten
Aufstand mündet. Die Erhebung bleibt isoliert und wird innerhalb einer
Woche von zaristischen Truppen niedergeschlagen.
28. 12.
Uraufführung der Operette "Die lustige Witwe" von Franz
Lehár (1870-1948) in Wien.
- (Quelle:LeMO)
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