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1900 1901 1902
1903 1904 1905
1906 1907 1908
1909 1910 1911
1912 1913 1914
1915 1916 1917
1918
-
Januar
- 1. 1.
In dem von Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow veröffentlichten
"Silvesterbrief" ruft Kaiser Wilhelm II. zur Bekämpfung der
Sozialdemokratie und der Zentrumspartei auf. Er bekennt sich zu Deutschlands
imperialistischer Politik.
6. 1.
In Rom gründet die Ärztin Maria Montessori(1870-1952) in einem
Arbeiterstadtteil ihr erstes "Kinderhaus". Die "Montessori-Pädagogik"
betont die Selbständigkeit des Kindes und lehnt jede Zwangsmaßnahme
in der Erziehung und im Unterricht ab.
8. 1.
In München erscheint die erste Nummer der Kulturzeitschrift "März".
Zu den Begründern des Blattes gehören der Verleger Albert Langen
(1869-1909) sowie die Schriftsteller Hermann Hesse und Ludwig Thoma (1867-1921).
14. 1.
Bei einem Erdbeben in der britischen Kronkolonie Jamaika kommen mehr
als 1.000 Menschen ums Leben. Die Hauptstadt Kingston wird fast vollständig
zerstört. Die USA entsenden Militäreinheiten zur Aufrechterhaltung
der Ordnung und zur Hilfe bei der Versorgung der Betroffenen. Die Maßnahmen
lösen diplomatische Proteste der Kolonialmacht Großbritannien
aus.
19. 1.
In Persien wird der neue Schah gekrönt. Der 34jährige Mohammed
Ali (1872-1925) ist der Sohn des am 8. Januar verstorbenen Mosaffar Od Din
(1853-1907). Unter Ali wird die Hinwendung Persiens zu einer konstitutionellen
Monarchie zunächst gestoppt.
25. 1.
Bei den Reichstagswahlen erhalten die Sozialdemokraten mehr Stimmen
als bei der Wahl 1903. Trotzdem büßen sie aufgrund der Wahlkreisverteilung
38 ihrer vormals 81 Sitze ein. Der Wahlkampf dieser "Hottentottenwahl"
war durch die Auseinandersetzung über die Weiterführung des Kolonialkriegs
in Deutsch-Südwestafrika geprägt.
-

Februar
- 2. 2.
Tod des russischen Chemikers Dmitri I. Mendelejew (1834-1907) in St.
Petersburg.
- Uraufführung des
Schauspiels "Die Jungfrau von Bischofsberg" von Gerhart Hauptmann
in Berlin.
8. 2.
Im Fürstentum Moldau brechen Bauernunruhen aus, die bald auf ganz
Rumänien übergreifen. Die Kleinbauern wenden sich gegen die Großgrundbesitzer
und die jüdische Oberschicht. Vielerorts kommt es zu Judenpogromen.
Bei der blutigen Niederschlagung des Aufstandes werden 11.000 Bauern getötet.
9. 2.
Mehr als 3.000 Frauenrechtlerinnen demonstrieren in London für
die Einführung des Frauenwahlrechts. Als König Eduard VII. in
seiner Thronrede nicht auf die Forderung eingeht, kommt es in der Woche
darauf zu gewaltsamen Protestaktionen der militanten "Suffragetten".
18. 2.
Mehr als 50 polnischsprachige Gymnasiasten werden aus preußischen
Gymnasien entlassen. Ihre Geschwister hatten sich im sogenannten Schulstreik
geweigert, im Religionsunterricht der Grundschule deutsch zu sprechen. Die
Entlassung wird mit mangelnder nationaler Zuverlässigkeit begründet.
An dem "Schulstreik" beteiligten sich insgesamt über 70.000
Kinder.
23. 2.
Der Burengeneral Louis Botha (1862-1919) wird erster Premierminister
der britischen Kolonie Transvaal. König Eduard VII. hatte 1906 für
die Kolonie eine Verfassung erlassen, die eine "Selbstregierung"
der Buren festschreibt.
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März
- 5. 3.
In Rußland wird die zweite Duma eröffnet. Die Neuwahlen zu
der im Juli 1906 aufgelösten Volksvertretung ergaben erneut eine starke
Mehrheit der oppositionellen Parteien.
7. 3.
An der Börse in der New-Yorker Wall Street bricht der Aktienmarkt
zusammen. Es kommt zu einer bis ins nächste Jahr andauernden Wirtschaftskrise.
Konservative Kräfte machen die Anti-Trust-Politik von Präsident
Theodore Roosevelt für die Krise verantwortlich.
11. 3.
Der bulgarische Ministerpräsident Dmitri Petkov (1856-1907) wird
in Sofia erschossen. Das Attentat fällt in eine Zeit starker sozialer
und nationaler Unruhen in dem Balkanstaat.
31. 3.
Wilhelm II. erklärt den Kriegszustand in Deutsch-Südwestafrika
offiziell für beendet, obwohl sich noch immer einzelne Stammesgruppen
der Kolonialherrschaft widersetzen. In den seit 1903 andauernden Kämpfen
gegen die aufständischen Herero und Hottentotten fielen rund 90.000
Einheimische und ca. 1.500 Angehörige der deutschen Kolonialtruppen.
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April
- 1. 4.
Der Nationalkongreß der französischen Sozialisten lehnt "direkte
Aktionen" und den Generalstreik als Mittel zur Durchsetzung sozialer
und politischer Forderungen ab.
10. 4.
Tod des Politikers Ignaz Auer (1846-1907) in Berlin.
12. 4.
Das belgische Abgeordnetenhaus beschließt mit großer Mehrheit
den Achtstundentag für Bergleute. Auf Verordnung von König Leopold
II. wird das Gesetz jedoch wieder zurückgezogen.
16. 4.
An den Trauerfeier für Ignaz Auer nehmen über 20.000 Menschen
teil. Die Grabreden halten August Bebel, Rosa Luxemburg, Victor Adler und
Paul Singer.
27. 4.
Der Publizist Maximilian Harden deutet in der Zeitschrift "Die
Zukunft" an,Phillipp Fürst zu Eulenburg und Hertefeld, langjähriger
Freund und Berater Wilhelms II., sei homosexuell. Harden will dem Prestige
Wilhelms II. nachhaltig schaden.
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Mai
- 3. 5.
Der deutsche Reichstag beschließt die Einrichtung eines Kolonialministeriums.
Die Zustimmung zu dieser noch 1906 vom Parlament abgelehnten Institution
ist durch die neuen Mehrheitsverhältnisse nach der Wahl vom Januar
möglich. Erster Kolonialminister wird Bernhard Dernburg (1865-1937).
11. 5.
In Österreich beginnen die ersten Wahlen zum Reichsrat nach der
Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für
Männer. Nach Beendigung der Stichwahlen am 24. Mai stellen die Sozialdemokraten
die meisten Abgeordneten.
12. 5.
Tod des belgischen Schriftstellers Joris-Karl Huysmans (1848-1907) in
Paris.
13. 5.
Auf dem Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands
(SDAPR), der wegen der angespannten innenpolitischen Lage in London stattfindet,
setzen sich die von Lenin geführten Bolschewiki in allen Hauptpunkten
durch. Die SDAPR stellt 65 Abgeordnete der Duma.
25. 5.
In Finnland tritt der erstmals nach allgemeinem Wahlrecht für Männer
und Frauen gewählte Landtag zusammen. Unter den gewählten Parlamentariern
befinden sich 19 Frauen.
31. 5.
Eulenburg beantragt bei der Staatsanwaltschaft die Eröffnung eines
Verfahrens gegen sich selbst, um die Bezichtigungen des Publizisten Harden
zu widerlegen. Nach § 175 des Strafgesetzbuches sind homosexuelle Handlungen
strafbar.
- Wilhelm II. distanziert
sich von seinem langjährigen Freund und Berater Eulenburg.
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Juni
- 2. 6.
Mit einem 3:1-Sieg über Viktoria 89 Berlin wird der Freiburger
SC Deutscher Fußballmeister.
10. 6.
Der französische Chemiker Louis Jean Lumière (1864-1948)
stellt die ersten Farbphotographien vor.
11. 6.
Eulenburg nimmt seinen Abschied.
14. 6.
Wilhelm II. besucht das Automobilrennen um den Kaiserpreis im Taunus.
Er selbst hatte diesen Preis für mindestens 1.175 kg schwere Autos
ausgeschrieben.
15. 6.
Die Zweite Haager Friedenskonferenz beginnt. Hauptstreitpunkte zwischen
den Großmächten sind die Einführung eines internationalen
Schiedsgerichtshofes und Rüstungsbeschränkungen.
16. 6.
Auf Erlaß des Zaren Nikolaus II. wird die russische Duma erneut
aufgelöst, nachdem die Polizei in der Nacht zuvor mehrere sozialdemokratische
und sozialrevolutionäre Abgeordnete verhaftet hat. Zugleich wird ein
neues Wahlgesetz erlassen, das den Konservativen bei Neuwahlen die Mehrheit
sichern soll.
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Juli
- 1. 7.
Der Dreibund zwischen dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn und
Italien verlängert sich automatisch bis ins Jahr 1914, da keine der
Mächte den Vertrag fristgemäß gekündigt hat.
- In den USA treten verschärfte
Einwanderungsbestimmungen in Kraft, mit denen die Niederlassung von Aussiedlern
aus Übersee erschwert werden soll. Trotzdem erreicht die Zahl der Einwanderer
in diesem Jahr mit 1,285 Millionen einen neuen Rekord.
19. 7.
Kronprinz Ni-Tschök (Yi_Ch'ok) (1874-1926) übernimmt das Amt
des Kaisers von Korea. Unter seiner Regentschaft vollzieht sich die völlige
Unterwerfung Koreas unter die Kontrolle Japans.
28. 7.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Eulenburg werden eingestellt.
Eulenburg bleibt aber gesellschaftlich isoliert.
31. 7.
In der marokkanischen Hafenstadt Casablanca werden acht Europäer
von fanatischen Moslems ermordet.
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August
- 4. 8.
Die erste öffentliche Badeanstalt am Wannsee bei Berlin empfängt
ihre Besucher. Während der Eröffnung gibt es zahlreiche Proteste
gegen diese "Unsittlichkeit".
5. 8.
Frankreich und Spanien entsenden 6.000 Marinesoldaten nach Casablanca,
um ihre dort ansässigen Landsleute vor Übergriffen christenfeindlicher
Araber zu bewahren. Bei den blutigen Kämpfen gegen die Interventionstruppen
kommen mehr als 1.000 Marokkaner ums Leben.
18. 8.
In Stuttgart beginnt der VII. Internationale Sozialistenkongreß,
der erste auf deutschem Boden. An der Eröffnungsveranstaltung nehmen
über 50.000 Menschen teil. Zu den prominentesten der 884 Teilnehmer
aus aller Welt gehören Rosa Luxemburg, Jean Jaurès und Wladimir
I. Lenin. Vor allem die Debatten um die Haltung zum Krieg und zur Kolonialfrage
sind von tiefen Differenzen zwischen den nationalen Delegationen geprägt.
31. 8.
Rußland und Großbritannien unterzeichnen in St. Petersburg
ein Abkommen über die Abgrenzung ihrer Interessensphären in Persien,
Afghanistan und Tibet. Damit wird faktisch die "Entente cordiale"
zwischen Frankreich und Großbritannien durch die Einbindung Rußlands
zur Tripelentente erweitert.
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September
- 4. 9.
Tod des norwegischen Komponisten Edvard Grieg in Bergen.
7. 9.
Tod des französischen Dichters René François Armand
Sully-Prudhomme (1839-1907) in Chatenay Malabry (Haute-de-Seine).
8. 9.
Papst Pius X. (1835-1914) erläßt die Enzyklika "Pascendi
dominici gregis", mit der er sich gegen die von "Modernisten"
angestrebte Reform in der katholischen Kirche wendet.
14. 9.
In China eskaliert ein Aufstand gegen die herrschende Mandschu-Dynastie
zu einem Gefecht zwischen Regierungstruppen und Rebellen. An der Spitze
der Revolte steht die Geheimorganisation Kuomintang unter der Führung
des Arztes Sun Yat-Sen (1866-1925). Ihre Ziele sind u.a. die Beseitigung
der Monarchie und eine Bodenreform.
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Oktober
- 3. 10.
Der "Allgemeine Deutsche Frauenverein" (ADF) fordert auf seiner
Jahrestagung in Hamburg umfangreiche Sozialreformen für Arbeiterinnen,
so den zehnstündigen Maximalarbeitstag. Der ADF war mit ca. 20.000
Mitgliedern eine der größten Frauenorganisationen des Deutschen
Reiches.
6. 10.
Auf Initiative des liberalen Politikers Friedrich Naumann wird in München
der Deutsche Werkbund gegründet. Der Zusammenschluß von
Künstlern, Kunsthandwerkern, Industriellen und Wissenschaftlern soll
eine Modernisierung der handwerklichen und industriellen Produktion bewirken
und den Absatz deutscher Produkte auf internationalen Märkten fördern.
12. 10.
Das Reichsgericht in Leipzig verurteilt den sozialdemokratischen Rechtsanwalt
Karl Liebknecht wegen "Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens"
zu eineinhalb Jahren Festungshaft. Den Anlaß für die Verurteilung
bildet die Schrift "Militarismus und Antimilitarismus", in der
sich Liebknecht gegen den Kriegsdienst und den preußischen Militarismus
wendet.
18. 10.
Auf der Zweiten Haager Friedenskonferenz werden 13 Abkommen über
die internationale Abrüstung und Schiedsgerichtsbarkeit verabschiedet.
Über die eigentlichen Probleme der Flottenrüstung lehnte Kaiser
Wilhelm II. jegliche Verhandlung ab.
27. 10.
Die Wahlen zur dritten Duma in Rußland ergeben eine absolute Mehrheit
der Konservativen und des reaktionären Landadels. Grund für die
Verschiebung des Kräfteverhältnisses ist das vom Zaren erlassene
neue Wahlgesetz, mit dem fast die Hälfte der zuvor Wahlberechtigten
von der Abstimmung ausgeschlossen wurde.
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November
- 2. 11.
Im Integritätstraktat von Kristiania (heute: Oslo) garantieren
das Deutsche Reich, Großbritannien, Frankreich und Rußland die
Unantastbarkeit des Königreichs Norwegen. Schweden reagiert mit Verärgerung
auf dieses Abkommen, da es seine Loyalität gegenüber den Unabhängigkeitsbestrebungen
Norwegens stets beteuert habe.
16. 11.
Das ehemalige Indianer-Territorium Oklahoma wird als 46. Bundesstaat
den Vereinigten Staaten von Amerika angegliedert.
20. 11.
Tod der Malerin Paula Modersohn-Becker in Worpswede.
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Dezember
- 2. 12.
Das Königreich Belgien übernimmt den Kongostaat aus dem Privatbesitz
von König Leopold II. In den letzten Jahren war es wiederholt zu internationalen
Protesten gegen die brutale Unterdrückung der Einheimischen durch belgische
Soldaten und Beamte gekommen.
8. 12.
Der schwedische König Oskar II. (1829-1907) stirbt im Alter von
78 Jahren in Stockholm. Thronfolger wird sein Sohn Gustav V. (1858-1950).
9. 12.
Im Reichstag beginnt die Debatte um das Vereinsgesetz, dessen Entwurf
die Regierung im November veröffentlicht hatte. Zu den Hauptstreitpunkten
zählt die Frage, ob Frauen politischen Vereinen beitreten dürfen.
17. 12.
Tod des britischen Physikers William Thomson Lord Kelvin (1824-1907)
in Nethergall.
- (Quelle:LeMO)
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